Solidarität mit der Ukraine
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Liebe Wennigserinnen und Wennigser,
zunächst einmal möchte ich im Namen der Fraktion Bd.90/Die Grünen bei den den JUSOS für die Organisation dieser Veranstaltung danken, die im Rahmen des Bündnisses für Solidarität stattfindet. Solidarität - dieses Wort hat sich in den letzten Tagen in Kopf und Herz eingebrannt.
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: Momentan sehen wir davon unendlich viele Bilder. Sie zeugen von Angst, Verzweiflung, Verlust, aber auch von mutigem Kampf um das eigene Land - für die Freiheit der Ukraine.
Während wir hier stehen, sind Menschen auf der Flucht, werden Kinder in Kellern geboren, kämpfen Väter, Söhne, Mütter und Töchter um ihr Land. Während wir hier stehen, entscheiden Kriegstreiber über Leben und Sterben, zerstören auf brutalste Weise, bringen Krieg statt Frieden, wollen Unterdrückung statt Freiheit.
Der 24. Februar hat uns alle erschüttert, unser Sicherheitsgefühl, unser Selbstverständnis von einem Leben in Frieden und Freiheit wurde ins Wanken gebracht. Putins brutale Invasion hat uns drastisch deutlich gemacht, dass unser Leben in einem freiheitlichen Staat nicht selbstverständlich ist, Frieden etwas ist, was man erhalten, wofür man sich täglich einsetzen muss.
Haben wir unseren Kindern beigebracht, respektvoll miteinander umzugehen und das Eigentum anderer zu respektieren, müssen wir uns nun Fragen gefallen lassen:
Warum wird die Ukraine überfallen?
Warum dieser Zerstörungswahn?
Warum müssen die Menschen ihr Zuhause verlassen?
Warum wird Gewalt ausgeübt?
Warum ???
Ich bin 66 Jahre alt, geboren 6 Jahre nach Kriegsende, habe in meiner Kindheit noch Reste von Ruinen als Spielplätze genutzt. Über Krieg hat die Generation meiner Eltern nicht gern gesprochen, aber die deutsche Geschichte hat uns gelehrt, dass man sich für Toleranz, gegenseitigen Respekt, demokratische Grundprinzipien einsetzen muss.
Nichts ist selbstverständlich!
Ich durfte in Frieden leben, durfte meine Meinung sagen, die Wahl der Medien war mir freigestellt, durfte mich für meine Überzeugungen einsetzen und meine Tochter in diesem Sinne auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben begleiten.
Ich war mir dieser Freiheit so sicher - das bin ich seit dem 24.Februar nicht mehr.
In Frieden und Freiheit leben zu können ist nicht selbstverständlich. Wir müssen beständig daran arbeiten.
Einen Autokraten, einen Diktator in so unmittelbarer Nähe zu wissen, macht Angst. Wir sind uns der Wahl seiner Waffen nicht mehr sicher. Der Spruch „ein gemeinsames Feindbild schweißt zusammen“ erweist sich in dieser Zeit wieder als wahr. Schön, wenn das auch auf Dauer halten würde. Neben Freiheit und Frieden muss auch ganz groß Solidarität stehen. Wir neigen dazu, Schlagzeilen von Seite 1 über Seite 2, 3 langsam bis ins Verdrängen rutschen zu lassen.
Nicht vergessen sollten wir, dass neben der Ukraine noch immer in Afghanistan, Syrien und anderen Gegenden auf der Welt die Menschen von Freiheit und Frieden träumen und ebenfalls in Angst und Schrecken leben. Immer sind es Autokraten, deren Namen wir in diesen Zusammenhängen nennen. Wir sagen nicht, Russland hat die Ukraine angegriffen - Putin. Die scheinbare Unberechenbarkeit eines Mannes gegen die Solidarität des größten Teils der Welt ist unfassbar.
Die Aktion der Sophie-Scholl-Gesamtschule, gemeinsam symbolisch das PEACE-Zeichen als Flashmob zu stellen, hat mich sehr berührt, zeigt es doch Zusammenhalt: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Das zu sehen hat gut getan.
Ich möchte mit John Lennons Vision von einer friedlichen Welt enden, geschrieben 1971 während des Vietnamkrieges, der Inbegriff solidarischen Denkens:
Stell dir vor, dass alle Menschen in Frieden leben.
Du wirst sagen, ich bin ein Träumer,
aber ich bin nicht der Einzige.
Ich hoffe, dass du dich uns eines Tages anschließt
und die Welt wird eins sein.
Barbara Krüger
